Was macht ein gutes Foto aus?

Das Fotomagazin fragt auf seiner Webseite:

„was macht ein gutes Foto aus“?

Als Fotograf fühle ich mich von so einer Frage natürlich direkt angesprochen und es ist eine Frage die sich nicht so einfach beantworten lässt. Vermutlich wird die Frage in einem Jahr anders lauten als jetzt, aber für den Moment gilt:

Ein gutes Foto lässt mich innehalten. Wir alle sehen ich-weiß-nich-wieviele-tausend-Bilder und Fotos am Tag. die meisten hat man schon oft gesehen, sind langweilig oder nichtssagend. Manche lassen mich innehalten, kurz pausieren, das Bild genauer betrachten. Überlegen warum es mich anspricht. Oft weiß ich es gar nicht genau. Es ist vielleicht der Ausdruck der fotografierten Person, die Lichtstimmung oder ein ganz besonderer Blickwinkel.

Emotion vor technischer Perfektion. Eine Diskussion die ich oft aber zugegeben auch gerne führe. Wie wichtig ist die technische Perfektion? Kristian Schuller sagt dazu in seinem Buch „90 Tage. ein Traum:“

„Ich merke, dass ich mich mit zunehmender Erfahrung mehr und mehr vom überperfekten, scharf gezeichneten Bild weg bewege.“ 

Ein Zitat das ich mir selbst immer wieder gern vor Augen führe und das mich selbst auch irgendwie beschäftigt und verändert.

Kurz gesagt ist mir die Emotion in einem Foto wichtiger, als das es technisch perfekt ist. Es kommt zugegeben etwas drauf an was man fotografiert und für welche Kunden oder Projekte. Aber vor allem bei Reportagen macht oft das technisch unperfekte ein Foto besonders spannend.

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Dieses Bild z.B. entstand vor mehreren Jahren. Obwohl man nur Lichteffekte einer Veranstaltung erkennt, finde ich es nach wie vor sehr spannend und daher ist es auch hier im Blog zum Titelbild geworden.

Der Moment ist bei einem guten Foto ebenfalls sehr wichtig.

David Lebuser
David Lebuser

Rolliskater David Lebuser. Das Foto lebt von dem Moment in dem der Rollstuhl in der Luft hängt. Kurz vorher oder nachher wäre es weniger spannend gewesen.

Als Berufsfotograf ist es natürlich auch noch wichtig, mit gegebenen Situationen zu Recht zu kommen.

Kindle Paperwwhite
Kindle Paperwwhite

Hier wurde für eine Promoveranstaltung des Kindle Paperhite eine Lesung mit selbigem nach einem „Dinner in the Dark“ fotografiert. DIe einzige Beleuchtung hier war die Hintergrundbeleuchtung des Kindle. Aufgenommen mit 12.800 ISO, 1.4er Blende und 1/30 Belichtungszeit.
In Großansicht dadurch ziemlich verrauscht und technisch nicht unbedingt perfekt. Zu der gegebenen Lichtsituation aber absolut passend und auch einer meiner Favoriten im vergangenen Jahr.

Zusammenfassend würde ich sagen, ein gutes Foto ist besonders, lässt mich innehalten, spricht mich emotional an und bleibt im Gedächtnis. Wie und warum das passiert lässt sich nicht immer erklären und ist natürlich absolut subjektiv.

Wie seht ihr das? Was macht ein Foto für euch perfekt?

Johannes

Hallo, ich bin Johannes. Dies ist meine Spielwiese für verschiedene Projekte, Bilder, Quatsch, Ideen und Gedanken zu denen ich manchmal auch Interviews geben darf.

2 thoughts to “Was macht ein gutes Foto aus?”

  1. Sehr gut geschrieben! Ich befinde mich gerade genau in diesem Prozess:

    Zitat: “Ich merke, dass ich mich mit zunehmender Erfahrung mehr und mehr vom überperfekten, scharf gezeichneten Bild weg bewege.”

    Als Fotograf im DVF, der regelmäßig an nationalen u. internationalen Meisterschaften teilnimmt, möchte ich mich schon als erfahrenen Fotografen bezeichnen. Bisher stand ich mir mit meinem Drang zum Perfektionismus oftmals selbst im Weg. Alles musste 100% gerade sein, am besten symmetrisch und perfekt ausgeleuchtet. Das sehe ich derzeit anders und möchte zukünftig mehr „erzählen“ mit meinen Bildern. Allerdings ist dies eine Veränderung, die man nicht per Knopfdruck herbei führen kann, sondern in die man hinein wachsen muss.

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