Mein Grundeinkommen, Markus Söder und die Grünen

Das bedingungslose Grundeinkommen, mal ganz losgelöst von der Finanzierbarkeit, ist ein interessantes Konstrukt, mit dem sich sicherlich schon viele beschäftigt haben.
In diesem Beitrag soll es aber nicht um das bedingungslose Grundeinkommen, die Finanzierung oder Umsetzung allgemein gehen, sondern um meine persönliche Idee des Grundeinkommen.
Und darum, wie und warum ich mir selbst ein Grundeinkommen organisiert habe. Nicht bedingungslos zwar, aber mit dem für mich vergleichbaren Ergebnis.

Meine Idee vom Grundeinkommen

Es mag pathetisch sein, aber ich glaube, dass ein bedingungsloses Grundeinkommen unsere Welt verbessern kann.
Durch ein bedingungsloses Grundeinkommen und die damit verbundene finanzielle Sicherheit, würden mehr Menschen Dinge tun, die sie wirklich wollen. Und die sie erfüllen.
Immer wieder höre ich Arbeitnehmer über Job, Chef, Gehalt und Kollegen schimpfen. Anstatt etwas zu ändern bleiben sie aber in ihrem „Alltagstrott“ und schimpfen lieber weiter.

Sicherlich gibt es Situationen, in denen eine Veränderung durch Kündigung schwieriger ist als in anderen.
Eine Familie z.B., ein aktueller Hauskauf oder natürlich auch Krankheiten setzen oft finanzielle Sicherheit voraus. Möglicherweise ein Widerspruch zu einem Jobwechsel.

Manchmal ist  es aber auch „nur“ Angst vor neuem, vor Veränderung, vor Versagen. Und natürlich besteht bei etwas neuem auch immer die Gefahr, das alles noch viel schlimmer wird als es war.

Dieses Risiko kann durch ein bedingungsloses Grundeinkommen abgefedert werden.

Die Gefahr, dass auch ein neuer Job nicht den Erwartungen entspricht, kann das Grundeinkommen dagegen natürlich nicht nehmen.

Wenn aber sichergestellt ist, dass notfalls die Miete auch ohne Job bezahlt werden kann, sinkt die Angst.
Wenn klar ist, dass auch im Krankheitsfall die Verbindlichkeiten gesichert sind, sinkt die Angst.

Ein bedingungsloses Grundeinkommen kann also Ängste lösen, Vertrauen aufbauen und somit zu mehr Zufriedenheit führen.

Meine Einstellung zum Thema Arbeit

Drei mal ich:

Ich bin sehr neugierig.
Ich bin schnell gelangweilt.
Ich bin voll und ganz selbstständig.

Diese drei Eigenschaften tragen dazu bei, dass ich viel ausprobiert habe, viel ausprobieren will, viele Projekte umgetzt habe und auch hier noch einige vor mir habe.

Wieder pathetisch aber real:
Neben den rein finanziellen Aspekten der Arbeit möchte ich auch Spaß, Verantwortung, persönliche Entwicklung, Flexibilität, eigenverantwortlich handeln und so etwas wie Erfüllung bei der Arbeit.

Diese vielen Wünsche unter einen Hut zu bekommen ist nicht einfach und dadurch scheiden etliche Jobs für mich auch schon mal aus.
Einige davon hatte ich bevor mir das klar wurde, Selbsterfahrung ist hier auf jedenfall auf vielen Ebenen vorhanden.

Mir ist vollkommen klar, dass nicht jeder so denkt.
Voll und ganz respektiere ich Menschen, die lieber von 9-5 einer Arbeit nachgehen, bei der sie genau wissen was sie zu tun haben, jeden Tag das selbe machen, genau nach Vorschrift und Vorgaben handeln und um 17:01 das Büro verlassen mit dem Wissen, dass morgen das gleiche wieder von vorne losgeht. Für mich wäre das allerdings meine persönliche Hölle. Und glaubt mir, so einen Job hatte ich mal. Kurz zwar, aber ich weiß um die Wirkung davon auf mich.

Was ich (nicht mehr) brauche:

Ein Job, bei dem ich nicht zumindest mit-entscheiden kann oder nur ohne Sinn Dinge abarbeiten muss.
Tätigkeiten, die keine Kreativität erfordern.
Arbeiten, ohne menschlichen Kontakt und Austausch
Eintöniges abarbeiten von Ablagen.
All das ist nichts für mich.

Ich merke sogar: je mehr konkrete Vorgaben und Vorschriften ich bekomme, desto weniger Lust habe ich.

Ich brauche die Abwechslung, große Flexibilität, stelle mich gerne Herausforderungen, finde Lösungen, forsche, recherchiere, setze um.
Ich plane, organisiere, bin kreativ, bereite vor und nach, projektiere, tausche mich aus, spreche mich ab.
Ich fotografiere, berate, spreche und schreibe.

Außerdem setze ich immer wieder freie Projekte um und unterstütze ehrenamtlich andere spannende oder wichtige Projekte.

Und das alles auf verschiedenen Ebenen in freier Selbstständigkeit, aus reinem Interesse als Hobby und in einer Teilzeit-Stelle in Festanstellung.

Mein Grundeinkommen

Hierzu ein kurzer Rückblick:

Nach meiner Ausbildung zum Fachinformatiker habe ich mich, nach einiger Zeit der Selbstzweifel, als Fotograf selbstständig gemacht.
Dies ging auch eine ganze Weile gut. Es kamen andere Bereiche wie die WordPress Beratung, arbeiten beim Fernsehen, Fotoassistenz und Dozententätigkeiten dazu. Später dann zwei große freie Projekte und viel Ehrenamt.
Insgesamt wurde alles etwas viel und ich hatte das Bedürfnis nach Sicherheit, fand diese auch. Es stellte sich aber schnell heraus, dass diese komplette Sicherheit in 40-Stunden-Schichtarbeit nichts für mich ist, nach kurzer Zeit habe ich die Sicherheit wieder verlassen. Mir wurde wieder klar, warum ich einige Jahre zuvor gekündigt hatte. Dies hat neue Energie freigesetzt.

Kurz darauf hat sich eine Situation ergeben, die für mich geradezu ideal sein sollte:

Die Selbstständigkeit. Aber mit Sicherheitsnetz

Mein alter Chef rief an und vermittelte mir einen Teilzeit-Job in einer Forschungseinrichtung. Es ging um technische Betreuung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
Durch meine Ausbildung kannte ich hier einige noch und so ging alles relativ schnell. Ich hatte mein Grundeinkommen. Ein monatliches Gehalt. Miete, Essen und Krankenversicherung waren gesichert, für alles andere war die Selbstständigkeit, die ja weiterlief, da.

Hier fühlte ich mich wohl, alle Kolleginnen und Kollegen waren nett. ich konnte einiges lernen und mich selbst weiter entwickeln, meine Zeiten eigenverantwortlich verteilen und selbstständig arbeiten. Klar hatte ich Aufgaben, diese konnte ich aber weitestgehend selbst aufteilen.

Nach drei Jahren hatte ich einiges gesehen, vieles gelernt, manches umgesetzt. Es hätte weiterlaufen können. Es standen zwar Projekte an, die ich auch gerne umgesetzt hätte, aber Alltag setzte ein.
Dann hat mich Markus Söder aus dem Trott herausgeholt.

Katha Schulze, Markus Söder, Twitter und die Grünen

Manche werden es mitbekommen haben, falls nicht hilft Google „Heimatstrategie“ sicher gerne weiter.

Kurz gesagt sorgt Markus Söder mit seiner Heimatstrategie dafür, dass auch die Forschungseinrichtung, in der ich angestellt war, verlagert werden soll. (Nach wie vor übrigens).

Und zwar nach Amberg. Für manche Menschen wie Markus vllt „Place to be„, für mich allerdings nicht vorstellbar.

Es wurde also Zeit für einen neuen Job.
Eigentlich in Richtung Hamburg gedacht habe ich mich nur dort beworben.
Eigentlich. Denn dann kam durch Katha Schulze, Fraktionsvorsitzende der Grünen, via Twitter ein spannender Job in meine Timline bei Twitter.
Die Grünen Bayern suchten hier einen IT Koordinator.

Aufgaben, Arbeitsort, persönliche Voraussetzungen, Entwicklung, die Grünen als Arbeitgeber.
Das klang spannend. Ein Job wie für mich geschaffen und tatsächlich der einzige in München bei dem ich mich beworben habe.

Es hat dann ein bisschen gedauert, aber ich wurde zum Bewerbungsgespräch eingeladen, dass auch direkt im Landtag stattfand.
Dort habe ich mich direkt wohl gefühlt, Interesse bekundet und wenige Tage später die Zusage erhalten.

Arbeiten im bayerischen Landtag

Nun bin ich seit 1.7. in Telzeit bei der Grünen Fraktion im bayerischen Landtag als IT-Koordinator eingestellt.

Derzeit ist alles noch ganz neu und aufregend, spannend und lehrreich.
Welche Details aus meinem direkten Arbeitsumfeld von dort hier aufgeschrieben werden dürfen, kläre ich bald und werde dem auch den ein oder anderen Artikel widmen.

aber nur so viel:

Bis jetzt sind meine Wünsche an meinen Job erfüllt.
Ich kann eigenverantwortlich arbeiten, habe Verantwortung, einen Vertrauensvorschuss erhalten, kann mich einbringen, habe mit den verschiedensten Charakteren aus Mitarbeiter*innen und Abgeordneten zu tun, konnte bereits und kann viele weitere Projekte umsetzen, habe eine hohe Flexibilität an einem spannenden Arbeitsort und meine Tätigkeiten sind sehr abwechslungsreich.
Dadurch, dass der Job ein Teilzeitjob ist, bleibt außerdem genug Zeit für meine Freiberuflichkeit, ehrenamtliche Tätigkeiten und vor allem für mich selbst.

So kam es, das Markus Söder mich in den Landtag zur Grünen Fraktion Bayern geführt hat. Und ich hätte nie gedacht, dass ich das jemals schreibe: Danke Markus. <3

Mein Grundeinkommen führt zu Freiheit & Selbstvertrauen

Zusätzlich dazu, dass ehemalige Arbeitgeber zu Kunden werden können, hat das selbst gewählte Grundeinkommen noch ganz andere schöne Nebeneffekte:

Sicherheit

Die Miete ist bezahlt, der Kühlschrank ist voll und die Krankenkasse ist abgesichert. Für alles andere ist die Freiberuflichkeit zuständig. Durch die Kombination aus beidem habe ich Sicherheit und Freiheit.

Freiheit

Sicherheit und Freiheit stehen sich oft gegenseitig im Weg, zumindest was das Thema Arbeit angeht. In meinem Fall ist das anders, mein Teilzeitjob macht Spaß und bringt mir durch die Teilzeit die Freiheit, die ich in der FREIberuflichkeit brauche.

Abwechslung

Verschiedene Tätigkeiten bringen Abwechslung mit sich. Allein in der Anstellung habe ich viel Abwechslung, durch die Teilzeit wird das ganze nochmal potenziert, denn in der Freiberuflichkeit habe ich durch die verschiedenen Tätigkeiten ebenfalls sehr viel Abwechslung.

Verhandlungsgeschick

Der angenehmste Nebeneffekt.
Durch die oben erwähnte Sicherheit bin ich auf viele Aufträge der Selbstständigkeit nicht mehr in dem Ausmaß von früher angewiesen. Klar, mehr Geld, auch für Rücklagen, ist immer gut.
Aber ich muss nicht mehr alles machen um meine Miete zu bezahlen und kann auch mal Jobs ablehnen, wenn mir der Auftrag oder das Budget nicht gefällt.
Durch die Sicherheit kann ich mich besser verkaufen.
Auf der anderen Seite kann ich aber auch Aufträge, die spannend aber finanziell unrentabel sind, annehmen oder ehrenamtlichen Tätigkeiten nachgehen.

Fazit / tl;dr

Mein Grundeinkommen ist für mich der ideale Weg, um mir mein Leben, so wie ich es gerne leben will, zu leben.
Mein Teilzeitjob ist spannend, abwechslungsreich und bringt mir zusätzlich die Sicherheit, um als Freiberufler besser zu verhandeln.
Durch das „Grundeinkommen“ kann ich Tätigkeiten nachgehen, die mir Spaß machen und freie oder ehrenamtliche Projekte umsetzen.
Außerdem habe ich Zeit genug für mich selbst.

Falls es Euch interessiert, findet ihr alle beruflichen Stationen die mir noch eingefallen sind auch auf meinem LinkedIn Profil.

Feedback?!

Der Artikel wurde wieder etwas länger, um so mehr interessiert mich eure Meinung dazu.
Wie steht ihr zum Thema Arbeit, Grundeinkommen, Freiheit und Verantwortung im Job?

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