Menschen sind individuell und es gibt keine Komplettanleitung wie ich als Fotograf meine Kund:innen fotografiere. Es gibt aber die Art und Weise, wie ich mit den Menschen VOR der Kamera umgehe.
Zu meiner Art der Fotografie gehört vor allem Empathie und meiner Meinung nach ist ein Fotoshooting auch immer Teamarbeit – dazu habe ich vor kurzer Zeit auch einen Artikel geschrieben: Persönlichkeit und Fotografie.

Anne Niesen, die Sehheldin, hat mir für ihre Community ein paar Fragen gestellt, die ich hier veröffentlichen darf.

Was empfiehlst du uns, mit besonders lichtempfindlichen Augen, für ein Fotoshooting?

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Fotografinnen mit meiner Lichtempfindlichkeit nicht klar kamen. Was empfiehlst du uns, mit besonders lichtempfindlichen Augen, für ein Fotoshooting? (Art, Wo, Vorbereitung etc) Gibt es etwas, was wir Fotografinnen im Vorfeld fragen können?

Ganz generell empfehle ich immer, ein Vorgespräch mit der Fotografin oder dem Fotografen zu führen.
Denn Fotografie ist eine sehr emotionale Angelegenheit, da ist gegenseitige Empathie notwendig.
Und wenn die nicht vorhanden ist, wirkt sich das natürlich auch auf die Bilder aus.

Im Vorgespräch lassen sich zum einen die Ziele des Fotoshootings besprechen, aber auch die Umsetzbarkeit und Wünsche der Kundin oder des Kunden.

Auch Besonderheiten wie Lichtempfindlichkeit oder veganes Leben gehören hier „auf den Tisch“.
Für eine Kundin habe ich zum Beispiel mal ein Fotoshooting mit veganem Make-Up umgesetzt.
Hier konnte ich auf die Kompetenz meiner Visagistin setzen.

Ein anderer Kunde erwähnte seine Epilepsie, die in seltenen Fällen Anfälle auslösen kann – was dann bedeutet dass wir auf Blitzlicht verzichtet haben.

Ebenso gehört Lichtempfindlichkeit zu den Themen, die vorab besprochen, gut gelöst werden können. Hier würde ich empfehlen etwas mehr Zeit einzuplanen und bei der Locationsuche die Lichtempfindlichkeit einzuplanen.
Da ich die Hintergründe und eventuellen Herausforderungen die damit zusammenhängen nicht kenne, würde ich dich als Kundin dann natürlich fragen, wie sich das genau auswirkt.
Ob wir ebenfalls auf Blitze oder direktes Sonnenlicht verzichten sollen oder es „nur“ reduzieren. Wenn diese Dinge geklärt sind, kann ich dies in mein Konzept und Angebot einfließen lassen.

Wenn diese Dinge vorab besprochen werden, stellen sie in der Regel keine besonderen Herausforderungen dar, denn all das ist lösbar.

Hast du Tipps für ein Fotoshooting mit relativ dicker Brille bei hochgradig Kurzsichtigen?

Hast du Tipps für ein Fotoshooting mit relativ dicker Brille bei hochgradig Kurzsichtigen?
Ich höre regelmäßig, dass Menschen, die aufgrund hochgradiger Kurzsichtigkeit dickere Brillengläser nötig haben, nie mit ihrer Brille auf ein Foto möchten. Sie finden sich (leider) damit nicht fotogen.. Auch ich kenne das noch von mir früher, vor meinen Star-OPs.

Durch Körperhaltung und Kopfneigung können Spiegelungen meist leicht verhindert werden.
Die Erfahrung, dass sich Menschen mit „dicken Gläsern“ nicht fotogen finden kann ich bisher nicht teilen, diese Erfahrung habe ich nicht gemacht.

Das Argument „ich bin nicht fotogen“ kenne ich aber natürlich schon.
Und auch wenn es sehr wenige Menschen gibt, die nicht fotogen sind, trifft es auf die meisten die es behaupten nicht zu.

Es ist Aufgabe von uns Fotografinnen und Fotografen die Menschen vor der Kamera gut aussehen zu lassen. Gute Stimmung, eine gewisse Lockerheit und viel Empathie helfen hierbei enorm.

Der Einsatz von Hilfsmitteln wie Sonnenbrille finde ich persönlich nur dann sinnvoll, wenn die Person VOR der Kamera auch im Alltag Sonnenbrillen trägt. Für Business-Fotos und Profilbilder sind Sonnenbrillen meiner Meinung nach nicht geeignet. Da wäre meine Idee eher, die örtlichen Rahmenbedingungen so zu wählen, das die Sonnenbrille nicht nötig ist.

Da die meisten Menschen selten vor der Kamera stehen und sich selbst sonst nur aus dem Spiegel kennen, hilft manchmal auch ein kleiner Trick:
Diese Spiegel-Thematik erklären und das fertige Foto zur Demonstration spiegeln.
Habe oft erlebt, dass sich die Menschen dann besser wieder erkennen.

Mir hat bisher jeder Fotograf gesagt: „Du bist schwer zu Fotografieren.“ (Was nicht sehr entspannt hat..): Weil ich ein sehr „bewegtes“ Gesicht habe, weil sich meine Augen recht viel bewegen.
Was sagst du zu so einem Kommentar?

Was sagst du zu dem Kommentar?

Diese Aussage ist ein totales no-go.

Habe ich von einer Kundin auch schon gehört die das gesagt bekommen hat.
Die Folge ist dann natürlich. dass die Person vor der Kamera dann noch nervöser und unsicherer ist.
Dadurch verunsichert sagte sie auch mir gegenüber: „Vorwarnung, ich bin echt schwer zu fotografieren“.
So etwas setzt sich in den meisten Menschen fest und senkt das Selbstbewusstsein.

Wir haben aber eine emotional gute Basis geschaffen und die Fotos sind sehr schön geworden.
Der Kundin habe sie so gut gefallen, dass sie mich danach direkt nochmal für ein anderes Thema gebucht hat. Diese Buchung hat der Kollege dann wohl verpasst.

Ab gesehen davon dass es menschlich absolut falsch ist so etwas zu sagen.

Fazit

Die Fragen von Anne haben mich teilweise überrascht und zeigen mir, wie wichtig es ist darüber aufzuklären. welche Arbeit wir Fotograf:innen leisten. über die Arbeit der reinen Fotografie hinaus.

Lust bekommen auf ein Fotoshooting mit mir oder einfach mal ganz unverbindlich austauschen?…