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Fight Club und das Tyler Durden Prinzip

Eine Liebeserklärung an den besten Film der Welt und ein Gedankenspiel:
Wie Tyler Durden aus dem Film “Fight Club” heute (vielleicht) arbeiten. leben und denken würde.

Außerdem ganz getreu dem Motto „Projekt Chaos“ ist der Artikel eher als Gedankensammlung zu sehen als denn ein fertiges Konzept.

Auch wenn Kommentare derzeit nicht aktiv sind, freue ich mich auf Feedback zu dem Beitrag.
Gerne als Pingback auf eurem eigenen Blog.

 

Fight Club

In Fight Club geht es um den namenlosen Protagonisten, der mit seinem Leben unzufrieden ist. Sein Job langweilt ihn und die Tristesse seines bisherigen Lebens treiben ihn in die Langeweile und Schlaflosigkeit.

Auf einem Flug für seinen Arbeitgeber lernt er Tyler Durden kennen. Tyler ist ziemlich genau das  Gegenteil und, zumindest anfangs, Vorbild des Protagonisten. Er lebt z.B. in einem Haus, bei dem unklar ist ob er Besitzer oder Besetzer ist, macht was er will und lebt ein Leben nach eigenen Regeln.

Trotz seines Alters (Fight Club kam 1999 in die Kinos) ist der Film Gesellschafts-, Medien- und Konsumkritik pur und hat nichts an seiner Aktualität verloren.

Der Film, bzw das Buch auf dem der Film basiert, hat mich wegen seiner kritischen Auseinandersetzung mit Konsum, Arbeit, Leben etc oft  beeinflusst und tut das nach wie vor immer wieder.

Tyler Durden

Tyler ist der (Anti)held des Films und Vorbild der Erzähler-Figur. Er lebt in einem heruntergekommenen Haus, hat mehrere Jobs, lebt wie er will und hat ganz besondere Ansichten zum Thema Vorbilder, Besitz und zum Arbeitsleben.

Tyler Durden und Arbeit

„Wir arbeiten in Jobs die wir hassen nur um mit dem Geld Scheisse kaufen die wir nicht brauchen“

Tyler beschäftigt sich damit, wie wir arbeiten und macht sich darüber lustig, dass wir der Arbeit viel zu viel Bedeutung geben.
Gerade in der heutigen Zeit, in der es für uns immer wichtiger wird, WAS und WIE wir arbeiten, sind seine Aussagen aktueller denn je.

Mir hat u.a. Tyler Durden 2010 geholfen, meinen sicheren Job freiwillig zu kündigen um mich selbstständig zu machen und eine Arbeit zu finden, die mich zufrieden und glücklich macht.

Diese Entscheidung habe ich nie bereut.

Tyler Durden und Besitz

“Alles was du besitzt, besitzt irgendwann dich”

Tyler beschäftigt sich mit uns als Gesellschaft und damit, welche Werte wir haben.

Vor einiger Zeit habe ich mit einem Bruder des Franziskaner Ordner darüber gesprochen. was Besitz mit uns macht und warum wir abhängig werden.
Dieser Bruder hat berichtet, wie er sich dazu entschlossen hat, sämtlichen Besitz abzugeben und dem Franziskanerorden beizutreten. Ähnlich wie der Protagonist im Film war er unzufrieden und hat sein Leben geändert und sich von seinem Besitzt gelöst.

Tyler Durden und Freiheit

“Erst wenn du alles verloren hast, hast du die Freiheit alles zu tun”

Tyler beschäftigt sich mit Freiheit, Verpflichtung und damit, wie man zufrieden leben und seinen eigenen Weg finden kann.

Seit einiger Zeit beschäftige ich mich mit dem Thema Grundeinkommen und habe hier auch schon einige Diskussionen geführt. Meiner Meinung nach ist das Grundeinkommen ein guter Weg, um unsere Gesellschaft wieder ein Stück sozialer und freundlicher zu gestalten und somit auch ein Weg, Frei dabei zu sein was wir tun wollen.

Ich glaube fest daran, dass durch das Grundeinkommen soziale Jobs beliebter werden und wir uns wieder mehr trauen, Dinge zu starten und zu initiieren. Also gerade Existenzgründer vermehrt davon profitieren.

Ich glaube, dass viele gute Ideen leider in den Schubladen liegen bleiben, aus Angst davor, nicht zu funktionieren und davor, dann “auf der Straße” zu landen.

Ich glaube, wenn für ein bedingungsloses Grundeinkommen gesorgt ist, brauchen wir keine Angst vor (Existenz)verlust zu haben und trauen uns mehr, Dinge anzupacken.

Fazit und ein Appell (inkl. Spoiler)

“Erst wenn du alles verloren hast, hast du die Freiheit alles zu tun”

Tyler macht sich frei von Verpflichtung und gesellschaftlichem Druck. Er ist, wie er sein will. In Buch und Film stößt er dabei an rechtliche und moralische Grenzen und geht darüber hinaus.

Die Frage die sich daraus ergibt, ist spannend:

Was ist Freiheit? Und können wir überhaupt frei sein, oder sind wir immer irgendwelchen Zwängen und Regeln unterworfen?  bewusst oder unbewusst?

In den letzten Tagen als Vorbereitung für diesen Artikel, aber auch generell seit langem, beschäftige ich mit mit dieser Thematik.
Viele Dinge können wir selbst entscheiden, ohne uns dabei direkt in moralische oder rechtliche graubereiche zu begeben. Oft sind es “nur” wir selbst, die uns daran hindern.

Ich glaube, wenn wir, unabhängig von Geldsorgen, gesellschaftlichem Druck oder Existenzangst, die Dinge tun können, die wir wirklich wollen, dann ist dass ein guter Weg zur Freiheit.

Wer ist Tyler Durden?

„All das, was du immer sein wolltest, das bin ich. Ich sehe aus, wie du aussehen willst. Ich ficke, wie du ficken willst. Ich bin intelligent, begabt und das Wichtigste: Ich hab all die Freiheiten, die du nicht hast.“

So ist es auch im Film und Buch. Denn wir erfahren, dass Tyler nicht nur ein Freund und Vorbild der Erzählfigur ist, sondern später auch zum Gegner und final zum fiktiven Character seiner selbst wird.

Er, der Erzähler, ist unzufrieden und erschafft sich selbst eine Persönlichkeit, die all das, was er sein will, ist. Bis ihm alles über den Kopf wächst. So weit müssen wir natürlich nicht gehen. Meiner Meinung nach sollten wir aber die Dinge, die uns stören, ändern. Und damit nicht ewig warten. Warum auch?

Wie wäre Tyler Durden heute?

“Dir Federn in den Arsch zu stecken, macht dich noch nicht zum Huhn.”

Wie Tyler Durden wohl heute wäre? Ich denk er wäre genauso wie in der Literatur- und Filmvorlage, denn prinzipiell ist er zeitlos.

Wahrscheinlich würde er uns auslachen, welchen hohen Stellenwert wir der Arbeit geben. Und warum wir mehr über Coworking und #office nachdenken, anstatt zu leben.

Jeder wird es kennen, diese Gedanken: Unzufriedenheit im Job, Dinge die man machen will aber ja “auch noch später machen kann”. etc.
Irgendwann kann man das aber eben nicht mehr.

Wir sollten versuchen, einen kleinen Tyler in uns zu finden und ihn rauszulassen.

“Jungs, was würdet ihr gerne tun, bevor ihr sterbt?”

In einer Szene des Films stellt Tyler diese Frage an die Mitfahrer in seinem Auto, während er das Steuer loslässt und langsam in die Gegenfahrbahn rollt.

Immer wenn ich über den Verlauf meines bisherigen Lebens nachdenke und reflektiere, stelle ich mir diese Frage auch so ähnlich; Überlege mir dann, was ich in meinem Leben komplett anders machen würde oder sogar bereuen würde.

Das hilft oft dabei, wenn ich bei manchen Entscheidungen etwas mehr Mut als üblich brauche.