Besitz

In der neuen Blogparade von steadynews geht es um Besitz. Eva Ihnenfeldt ruft wieder zum mitmachen auf, was ihr noch bis zum 31. Oktober machen könnt. In der Parade geht es um Besitz, Verantwortung, Vorsorge und Zufriedenheit, alles Themen die durchaus spannend sind.

Eva stellt 3 Fragen in den Raum, von denen ich zwei gerne beantworten möchte.

 

Was bedeutet Besitz grundlegend für dich?

Mir bedeutet Besitz nicht viel, das behaupte ich zumindest während ich in meiner Mietwohnung gemütlich am Schreibtisch sitze, in meinen mit Strom angetriebenen Computer tippe während ich Kaffee trinke und überlege den Fernseher zur Berieselung einzuschalten.

Die Wichtigkeit von Besitz ist also immer eine Frage des Blickwinkels und Standpunktes.

Besitz und die damit verbundenen Folgen sind Themen, die mich immer wieder beschäftigen. Da gibt es z.b. das „100-Dinge“ Projekt. Hier geht es darum, das Menschen versuchen, ihren gesamten Besitz auf 100 Dinge zu reduzieren. Durchaus spannend welche Erfahrungen dabei herauskommen.

Vor einiger Zeit war ich auf einem Barcamp und habe dort Br. Natanael kennen gelernt. Er hat die Keynote auf dem WordCamp gehalten und hier auch über Besitz gesprochen. Im Nachhinein entstand dadurch eine interessante Konversation in der wir uns darüber unterhalten haben, was Besitz mit einem macht, wie Besitz uns verändern kann und was der Glaube damit zu tun hat.

 

Fight Club

In Fight Club geht es um einen namenlosen Protagonisten, der mit seinem Job und Leben unzufrieden ist. Er versucht sich Zufriedenheit zu erkaufen in dem er seine Wohnung mit Sachen vollstopft, die er eigentlich nicht braucht.
So ganz funktioniert das mit der Zufriedenheit nicht, er bekommt Schlafprobleme und lernt schließlich Tyler Durden kennen. Die beiden werden Freunde und gründen neben nächtlichen Fightclubs auch das Projekt Chaos. Langsam wächst das alles dem Protagonisten über den Kopf und er beginnt zu verstehen was sie angerichtet haben.

Tyler ist das ziemliche Gegenteil des Protagonisten und  einer der größten Verächter von Besitz. Er lebt in einem Haus, bei dem unklar ist ob er Besitzer oder Besetzer ist, macht was er will und wird zum Vorbild des Protagonisten.

Tyler sagt z.B.

„Alles was du besitzt, besitzt irgendwann dich“

„Erst nachdem wir alles verloren haben, haben wir die Freiheit alles zu tun“

„Wir arbeiten in Jobs die wir hassen nur damit wir Scheisse kaufen die wir nicht brauchen“.

Das ist jetzt natürlich etwas überspitzt aber Fightclub ist mit einer der besten Filme von David Fincher und Bücher von Chuck Palahniuk die mir je untergekommen sind. Der Film hat mich nachhaltig geprägt und einen erheblichen Teil zu meiner Entwicklung beigetragen.

Fightlub ist Gesellschafts- und Konsumkritik pur, verpackt in einen genialen Film. der trotz seines Alters (Er kam 1999 in die Kinos) nicht an Aktualität verloren hat. Wer ihn tatsächlich noch nicht kennen sollte: Anschauen.

 

Was empfindest du, wenn du dir das Leben von Anne Donath anschaust?

(das Video um das es geht ist im Originalbeitrag der Blogparade eingebettet)

Ich finde solche „Aussteiger“ immer faszinierend. Anne braucht im Prinzip fast nichts und ist dadurch auch autark und unabhängig. Sie löst sich von Zwängen und gesellschaftlichen Verpflichtungen.

 

Und was bedeutet Besitz nun?

Ich habe überlegt ob das Leben von Anne für mich auch funktionieren würde. Trotz der Faszination des ganzen wird es für mich vermutlich eher nicht funktionieren.

In meinem letzten Urlaub war ich eher minimalistisch unterwegs. Geschlafen habe ich zwar aus Gründen der Hygiene an Campingplätzen aber ohne Zelt, einfach auf Luftmatratzen direkt am Strand. Wenig Luxus und viel Natur. Das war schön, aber am Ende war ich auch ein bisschen froh wieder in der eigenen Wohnung zu sein mit richtitem Strom, dem Fernseher, Internet und Netflix.

Tyler hat mich zwar geprägt und zu vielen getroffenen Entscheidungen beigetragen, ich muss mir aber eingestehen das ich mich, um so älter ich werde, immer mehr von seinen Prinzipien entferne. Das ist ein bisschen schade.

 

 

Johannes

Hallo, ich bin Johannes.

7 thoughts to “Besitz”

  1. Schöner Beitrag, lieber Johannes, das regt zum Nachdenken an. Anne Donath, 100 Dinge, Fightclub, Minimalismus – das sind alles Themen, mit denen ich mich in den letzten Jahren auch beschäftigt habe. Mit dem Besitz ist es wie mit allem: der Goldene Mittelweg macht’s. Ich denke es ist nicht verwerflich, Dinge zu besitzen oder sich an einem ordentlichen Bett, einer trockenen Behausung oder dem Luxus eines Internetanschlusses zu erfreuen. Wenn man, so wie Du, über sein Verhältnis zu „Besitz“ nachdenkt und diese Dinge wert-schätzt, ergibt sich automatisch ein bewusster (und vermutlich verantwortungsvoller) Umgang damit. Emotionale Löcher mit Materie vollstopfen funktioniert nicht. Leben in Askese ist eine ganz individuelle Sache, für die nicht jeder gemacht ist. Ein vorübergehender Verzicht auf all den Luxus ist immer gut, weil wir da merken, was wir zum Glücklichsein wirklich brauchen und was nicht. 🙂

  2. Hi Ihr Lieben! Also nun weiß ich erst, warum ich Fightclub immer wieder sehen muss, wenn ich ihn zufällig erwische. Besitz besitzt DICH – das kann ich so gut verstehen – und das kenne ich so gut aus eigener Erfahrung. Ich mach mir mal eine Liste mit 100 Dingen. Danke für die Anregung. Sehr inspirierend, wie Du, lieber Johannes, das Thema ergriffen hast. Mögen viele Deinen Beitrag lesen – und ein bisschen rum denken. Ganz lieben Dank von der Blogparaden-Starterin Eva 🙂

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