5 Fragen an: Elmar Haardt

In dieser Blogkategorie „5 Fragen an:“ stelle ich euch in unregelmäßigen Abständen interessante Personen vor.
Elmar habe vor nicht allzu langer Zeit durch einen gemeinsamen Freund kennen gelernt. Elmar hat mir faszinierende Geschichten aus seine Zeit als Künstler erzählt und ich habe sofort gedacht „wäre toll ihn hier vorzustellen“.
Zugegeben musste ich ihn ein bisschen überreden, aber hier ist er nun.

Erfahrt in diesem Interview, was ihn zum Fotografen gemacht, was sein Geheimnis ist und welche Tipps er für uns hat.

Wer bist du?

Elmar Haardt

Was machst du beruflich?

Ich bin Fotokünstler und Architekturfotograf

…und wie kam es dazu?

Fotografie hat mich schon seit meiner Kindheit interessiert.
Zunächst habe ich in Berlin Europäische Ethnologie, Soziologie und Philosophie studiert und bei meiner Magisterabschlussarbeit über eine Straße in Berlin (Schiffbauerdamm) Arno Fischer kennen gelernt. Fischer war ein Fotograf der sich schon seit 1953 mit der symbolischen Teilung Berlins noch vor dem Mauerbau beschäftigt hatte. Seine fotografische Arbeit „Situation Berlin“ durfte erst nach dem Mauerfall an die Öffentlichkeit.
Fischer lehrte unter anderem in Leipzig an der Hochschule für Grafik und Buckunst. Später begründete er dann die Fotoschule „Fotografie am Schiffbauerdamm“ in Berlin, an der ich von 2003-2006 studierte. Danach habe ich mich in freien Projekten unter anderem im Ruhrgebiet, der Schweiz, Italien, München, China, den USA immer wieder mit Stadtlandschaften und Architekur auseinder gesetzt und diese in Museen und Galerien ausgestellt.

Was ist dein größtes Geheimnis?

Never give up! Hier eine Begebenheit aus meiner Arbeit als Fotokünstler
März 2017. Los Angeles ist vernebelt und eines der schlimmsten Unwetter sollte über den Süden Kaliforniens hinwegziehen.
Mullholland Drive.
Die Klapperschlangen und steilen Abhänge sind mir jetzt egal. Ich bin gekommen um ein Bild zu machen. Am Nachmittag soll es ein Wolkenloch geben und danach wird die Stadt unter Wasser stehen. Das Bild wird gut. Los Angeles sieht aus wie eine grüne Oase, wochenlang hat es geregnet, nachdem die ganze Region unter einer fünfjährigen Dürre gelitten hat. Das muss es sein, dieses Paradise City, where the grass is green… Mein Rückflug geht erst in einer Woche.
In meiner kindlichen Vorstellung ist die Wüste der Ort an dem es niemals regnet. Also auf nach Las Vegas. Die Fahrt ist düster. Die Stadt überschwemmt. Selten liegt diese künstliche Metropole unter einer solchen Wolkendecke. Einen Berg suchen. Im Netz sah die Stelle vielversprechend aus.
Vor einer Schranke parke ich meinen weißen VW Passat. Länger als eine halbe Stunde wird der Aufstieg wohl kaum dauern, denke ich mir in meiner Google-Maps-Naivität. Der Rucksack mit der Großbildkamera, das Stativ, die Filmmagazine wiegen zusammen 20 kg. Ich verzichte auf Wasser. Gewicht sparen. Es ist angenehme 15 Grad warm. Der Gipfel ist im Nebel versunken. Nach einer halben Stunde wird es hart. Seit man bei mir eine seltene Lungenkrankheit festgestellt hat wird jede Anstrengung zu einer Qual. 60 Prozent Sauerstoffgehalt bei Belastung wurden mir attestiert.
Im Moment bin ich wieder unter einer höheren Dosis Cortison, das Teufelszeug, das mir die Luft zurückgibt, bei mir aber auch gleichzeitig aufputschend wie Kokain wirkt. Ein Blick in den vernebelten Horizont. Ein paar Schritte, Pause. So geht es gute drei Stunden. Jetzt hätte ich doch gern Wasser. Nebelfetzen. Gibt es hier Klapperschlangen? Nebellöcher. Ich stelle das Stativ auf und mache 6 Aufnahmen mit der Großbildkamera. Sechs Großbilddias 8×10 inch.
Ein Versuch, alles muss stimmen, die Schärfe, die Belichtung, die Filmkassetten müssen dicht sein, die Blende geschlossen, das Stativ ruhig stehen, der Wind nicht so stark wehen, der Balgen sollte dicht halten. Und das ganze 6 mal. 6 mal keinen Fehler machen, auf einem Abhang der nur so vor Geröll und Klapperschlangen wimmelt.
Hier gibt es keinen Handyempfang. Ein paar Monate später werden sie in der Nähe eine Leiche finden. Der Rückweg mit der wertvollen Fracht im Gepäck. Falle ich hin, könnten die belichteten Filmkassetten beschädigt werden. Dann wäre alles umsonst. Der Weg ist rutschig. Dauert länger als der Aufstieg. Jetzt kommt der Durst. Ein Schritt, Pause, Schritt, Pause. Mein Herz hämmert. Nicht nach vorne schauen. Nicht nachdenken. Ich schalte meinen Ipod ein.
Auf den letzten beiden Kilometern muss mir Cat Stevens helfen mich zu konzentrieren. Meine Beine fühlen sich an wie Gummi. Jetzt nur nicht zusammenklappen.

You can do what you want The opportunity’s on And if you can find a new way You can do it today You can make it all true And you can make it undo You see, ah ah ah It’s easy, ah ah a You only need to know Well, if you want to say yes, say yes And if you want to say no, say no ‚Cause there’s a million ways to go You know that there are
Ja, so muss sie sich anfühlen, die berühmte Nahtoderfahrung.
Überstanden.
Als Belohnung will ich mir mein erstes 5 Sterne Hotel gönnen. So wie sich der Bergarbeiter nach der Schicht unter Tage in der Kneipe seinem Rausch hingibt, es könnte ja sein letzter sein in diesem Leben. Das Ergebnis war der Mühe wert:

Warum sollte man dich beauftragen?

Ich glaube, ich kann ganz gut zuhören, verstehen, was mein Auftraggeber braucht / sucht. Nach einem gemeinsamen Vorgespräch entsteht dann im Ergebnis ein Bild, merhre Bilder, die im Sinne meines Auftraggebers sind.

Dein Tipp für uns lautet?

Nicht alles lässt sich planen, vieles entsteht erst, während wir es machen.

http://elmaro.com